Die Freiplatzaktion Basel (FPA) existiert seit 40 Jahren. Ursprünglich als ‹Aktion freie Plätze für tamilische Flüchtlinge› gegründet, ist sie heute eine Beratungsstelle für alle Migrant:innen. Die Angebote der FPA beinhalten eine umfassende Rechts- und Sozialberatung, Deutschkurse, administrative Alltagsunterstützung sowie verschiedene Formate im Bereich der Arbeitsintegration. Alle unsere Angebote sind sehr niederschwellig. Die FPA ist nicht ‹nur› eine Beratungstelle, sondern agiert auch anwaltschaftlich. Vorwiegend in ausländer- und asylrechtlichen Verfahren führen wir Mandate durch alle Instanzen, mitunter bis vor Bundes- oder Bundesverwaltungsgericht.
Notschlafstelle Baselstadt
Seit der Revision des damaligen AuG (heute AIG) und des Asylgesetzes im Jahre 2008 sind abgewiesene Asylsuchende von der Sozialhilfe ausgeschlossen und erhalten nur noch Nothilfe. Nothilfe bedeutet aber nicht nur, dass die Betroffenen weniger Geld zum Überleben erhalten, sondern es bedeutet auch, dass sie von einer ganzen Reihe an ‹vergrellenden› Massnahmen betroffen sind, die sie zur freiwilligen Ausreise bewegen sollen. Wir sprechen deshalb heute immer noch vom sogenannten ‹Nothilfe-Regime›.
Die Umsetzung des Sozialhilfestopps und somit die Ausgestaltung des Nothilfe-Regimes ist den einzelnen Kantonen überlassen. Entsprechend sieht die Ausgestaltung verschieden aus. Der Kanton Basel-Stadt kennt aus diesem Grund die Unterbringung von abgewiesenen Asylsuchenden in der Notschlafstelle. Betroffen von dieser Zuteilung sind vorwiegend junge, alleinstehende Männer. Die Notschafstelle ist aber kein Ort, an welchem man sich längerfristig aufhalten sollte – sie ist schon per Definition und dem Namen nach nicht dafür geeignet.
«Abgewiesene Asylsuchende gehören nicht in die Notschlafstelle»
Die alltäglichen Bedingungen in der Notschlafstelle sind prekär: die Zugeteilten müssen sie tagsüber (von ca. 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr) verlassen und verbringen somti den gesamten Tag ausserhalb. Sie haben nach wie vor keinen Spind oder Ähnliches, um ihre (wenigen) Besitztümer aufzubewahren und haben wenig bis keinerlei Privatsphäre.
Es ist uns bewusst, dass es einige Personen gibt, die langfristig in der Notschlafstelle leben und nicht aus dem Asylbreich stammen. Bei abgewiesenen Asylsuchenden ist dies jedoch als Konzept verankert, mit der entsprechenden Vergrellung als Hintergrund. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass dieses System beendet wird. Der Kanton BS, mit seinen finanziellen Ressourcen und seiner üppigen Stftungslandschaft sollte in der Lage sein, eine andere Art der Unterkunft anbieten zu können.
Wir setzen uns ergo dafür ein, dass es in BS lieber früher als später einen neuen Ort gibt, an welchem auch die viel gescholtenen jungen, männlichen und abgewiesenen Asylsuchenden menschenwürdig untergebracht werden.
Das Nothilfe-Regime ist eine humanistische Bankrottrerklärung
Das Nothilfe-Regime in der Schweiz steht seit seiner Etablierung zu Recht unter Beschuss, doch am Elend änderte sich bis heute nichts. Die gesamte Ausgestaltung des Regimes ist eine humanistische Bankrotterklärung und zeigt die totale Überforderung der Schweizer Behörden auf Vollzugsebene (Ausschaffungen) auf. Ein Grossteil der Personen in der Nothilfe kann aus verschiedenen Gründen schlicht nicht ausgeschafft werden, sei es, weil sie keine eindeutige Staatsangehörigkeit besitzen (z.B. viele Tibeter:innen) oder weil die Person sich aus guten Gründen weigert, freiwillig in ihr Kerkunftsland zurückzukehren und eine Ausschaffung unter Zwang von diesem nicht akzeptiert wird. In anderen Fällen scheitert schlicht die Schweiz daran, die Ausschaffung technisch durchzuführen – doch sie würde dies niemals so auslegen, weil dadurch ein Grund für die Anordnung einer VA bestünde. Diese Umstände führen dazu, dass manche Personen über Jahre in der Nothilfe leben. Folgender Film aus dem Jahr 2010 illustriert dies nach wie vor:
Die Beratungsstelle
Rechts- und Sozialberatung
Hier siehst du unsere einzelnen Angebote im Bereich der Sozial- und Rechtsberatung im Überblick:
Arbeitsintegration
Wir stehen dem Begriff der 'Arbeitsintegration' im Sinne wie ihn 'New Public Management' und der vielzitierte 'aktivierenden Sozialstaat'geprägt haben, sehr kritisch gegenüber. Dennoch ist die eigene Erwerbstätigkeit insbesondere für Migrant:innen mit prekärem Aufenthaltsstatus in vielerlei Hinsicht absolut zentral. Rund um dieses Thema herum bieten wir deshalb einige verschiedene Formate zur Unterstützung an.
Deutschkurse
Ohne Verständigung ist das Leben schwierig. Wir bieten seit 40 Jahren niederschwellige Deutschkurse für Migrant:innen an: als Ergänzung zu Kursen mit Diplomabschluss, zum gezielten Konversationsaufbau und als sozialen Treffpunkt. Alle Kurse sind hier zu finden:
Weitere Angebote
Mitarbeiten
Praktikum? Zivildienst? Frewilliges Engagement? Es ist vor allem unseren öfters wechselnden (oder über Jahrzehnte treuen :-) Mitarbeiter:innen zu verdanken, dass die Freiplatzaktion Basel seit über 40 Jahren besteht. Ob als Kursleiter*innen, Übersetzer*innen oder bei der Mitarbeit auf der Beratungsstelle oder bei Projekten: überall können wir auf den wertvollen und kompetenten Einsatz von ihen zählen. Interessierst du dich für eines davon? Hier siehts du, was wir gerade im Angebot haben.
Team Beratungsstelle
Auf der Beratungsstelle teilen sich fünf Personen die Geschäftsleitung, dazu kommen zwei oder drei Zivildienstleistende, zwei Praktikant:innen, zwei Übersetzer, zwei Personen für die Reinigung und etliche Freiwillige.
Zur Geschäftsleitung gehören:
Linda Spähni (Rechts- und Sozialberatung)
Lea Schlunegger (Rechts- und Sozialberatung)
Daria Wechsler (Rechts- und Sozialberatung / Bereich Arbeitsintegration)
Moritz Bachmann (Fundraising / Deutschkurse und ÖA)
Moreno Casasola (Politische Arbeit / ÖA)
Vorstand
Der Vorstand der Freiplatzaktion Basel besteht derzeit aus fünf aktiven und einer Person ehrenhalber. Diese sind:
Ratnalingam Rasu (aktiv)
Joe Theilmann (aktiv)
Kathrin Fluri (aktiv)
Mia Nold (aktiv)
Stephy-Mathew Moozhiyil (aktiv)
Barbara Frei-Koller (Ehrenpräsidentin)
Beirat
Unser Beirat besteht aus etlichen Personen aus verschiedenen Berufs- und Gesellschaftsbereichen. Sie teilen unsere Werte und unterstützen uns akzentuiert bei einzelnen Vorhaben, vorwiegend im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beirat zählen derzeit:
Tonja Zürcher - BastA!-Grossrätin Basel-Stadt
Nils Jocher - Präsident SP Baselland
Samira Marti - Nationalrätin SP
Sarah Schilliger - Soziologin Universitäten Basel und Bern
Kaspar Surber - Journalist
Jaqueline Kalbermatter - Soziologin Univeristät Basel
Vereinsunterlagen
Hier finden Sie die wichtigsten Unterlagen zur Freiplatzaktion Basel sowie unsere letzten Jahresberichte:
Leitbild & Statuten
Jahresberichte
Warum Politik...?
"...ihr seid doch eine Beratungsstelle?". Genau weil wir eine solche sind. Und als solche begegnen wird tagtäglich Personen, die vor kleineren, grösseren oder gar aussichtslosen Problemen stehen. Die meisten dieser Probleme sind mit dem Aufenthaltsstatus der Betroffenen verknüpft, deshalb beraten wir überwiegend oft zu asyl- oder ausländerrechtlichen Problemen.
Die allermeisten dieser Probleme haben zwar eine direkte Auswirkung auf die individuelle Situation der Betroffenen, aber der Ursprung des Problems ist systemischer Natur und besteht aus Gesetzen, Bestimmungen, Vorschriften und Behördenpraxis. Diese Dinge sind oftmals ungerecht, aber längst nicht unveränderbar, weil nichts anderes als Ausdruck unserer Gesellschaft. Also müssen wir diese verändern.
Deshalb sehen wir es als Beratungsstelle mit dem direkten und alltäglichen Bezug zur vilizitierten 'Front' als unsere Aufgabe und Verpflichtung, diese Veränderungen herbeizuführen und Ungerechtigkeit im Einzelfall auf gesellschaftspolitischer Ebene anzugehen. Dazu setzen wir uns mittels Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying, unendlich vielen Gesprächen, Vernetzung und klarer Positionierung im öffentlichen Raum für eine systemische Verbesserung der Lebensbedingungen aller Migrant:innen in der Region NWS und darüber hinaus ein.
Aktuelle Themen
Viele unserer Themen 'beackern' wir bereits seit Jahren. Hier siehst du eine Übersicht aller Themen, mit denen wir uns aktuell vertieft beschäftigen
Angewiesene Asylsuchende leben in Basel-Stadt zu grossen Teilen in der Notschlafstelle und müssen diese von 8.00 Uhr morgens bis 20.00 Uhr abends verlassen. Wir finden: das geht auch anders.
Wer sich 'irregulär' oder 'illegal' in der Schweiz aufhält, kann sich über ein Härtefallgesuch theoretisch legalisieren. Diese Praxis ist sowohl kantonal wie national sehr rigide. Wir versuchen das zu ändern.
Im Schweizer Ausländerrecht besteht kein grundsätzliches Recht auf eine mündliche Anhörung bei, meist läuft das Verfahren schriftlich ab. Dies ist sachundienlich und sollte verbessert werden.
Migrant:innen sind bei Bezug von Sozialhilfe oder Arbeitslosenttaggeld häufig von Sanktionen betroffen. Diese sind meist überzogen, wirkungslos oder liessen sich verhindern. Es gibt viel zu tun.
Trotzdem
Seit 2018 erscheint vier mal jährlich unser Rundschreiben trotzdem. Darin reflektieren wir aktuelle Themen, beziehen Stellung oder berichten aus dem Alltag der Freiplatzaktion. Hier findest du sowohl die aktuelle wie auch alle vorangegangenen Ausgaben. Viel Spass damit!
Trotzdem #24: ‹Wir brauchen eine mutigere (Migrations)politik› | August 2026 | (PDF, 8 Seiten)
Alle vergangenen Ausgaben:
Trotzdem #16
Trotzdem #15
Trotzdem #14
Trotzdem #13
Trotzdem #12
Trotzdem #11
Trotzdem #10
Trotzdem #9
Trotzdem #8
Trotzdem #7
Trotzdem #6
Trotzdem #5
Trotzdem #4
Trotzdem #3
Trotzdem #2
Trotzdem #1
Vernetzung
Die Freiplatzaktion Basel engagiert sich in verschiedenen Bündnissen, Zusammenschlüssen, Kooperationsprojekten und Veranstaltungen. Hier die wichtigsten, an welchen wir beteiligt sind.
Spenden
Als unabhängige Beratungsstelle mit gesellschafts- und migrationspolitischem Engagement sind wir stark auf Spenden und Stiftungen angewiesen, um unsere Arbeit machen zu können. Jährlich sind wir so auf Beiträge in der Gesamtsumme von rund CHF 550'000 angewiesen. Wem diese vage Information schon reicht und unsere Arbeit kennt, den/die* ermuntern wir, usn mit einer Spende zu unterstützen!
Bankverbindung
Basellandschaftliche Kantonalbank
4410 Liestal/H PC 40-44-0 Clearing Nr. 769
IBAN CH68 0076 9016 3101 4382 9
Wer genauer wissen will, wofür es sich zu spenden lohnt, sieht hier unsere detaillierten Verwendungszwecke.
Direkte Projektspenden
Die FPA unterhält relativ viele Angebote, die alle Projekt- und Lohnkosten generieren. Hier siehst du, wie hoch die jährlichen Auslagen für die einzelnen Angebote sind und du kannst kannst du direkt an eines dieser Angebote eine Spende machen. Dankeschön!
Direkte Kostenübernahmen
Geld löst Probleme - wer keines hat, weiss as nur zu gut. Abseits unserer Angebote übernehmen wir auch immer wieder direkt Kosten für unsere Klient:innen. Aufgrund verschiedener Faktoren sind Migrant:innen in der Schweiz grundsätzlich stärker von Armut betroffen als Nicht-Migrant:innen. Es gilt die Faustregel: je schwächer die Aufenthaltsbewilligung, desto prekärer die Existenz. Wir helfen schnell und umkompliziert indem wir offene Rechnungen übernehmen oder andere Lücken schliessen. Dafür haben wir jährlich ein Budget von rund CHF 25'000.00. Hier siehst du, welche Art von Kosten wir regelmässig übernehmen und kannst - wenn du willst - direkt dafür eine Spende machen. Dankeschön!
Fast alle Migrant:innen mit prekärem Aufenthaltsstatus kommen oftmals kaum über die Runden im Alltag. Wir helfen aus.
Gerade für Migrant:innen in prekären Lebensumständen sind Gesundheitskosten oftmals kritisch. Wir springen ein.
Wir übernehmen regelmässig offene Mieten (oder Teile davon) von unseren Klient:innen, wenn die Situation es erfordert. Hier kannst du etwas daran Spenden.
Gerichtskosten, Bussen, Ausweisverlängerungen, Aktenbestellungen, etc. Die Liste von Kosten, die Migrant:innen im Austausch mit Behörden betreffen ist lang.